Don’t kiss me, I’m busy erzählt die Geschichte der Freundschaft von Waldtraut Scheibert, Barbara Fülgraff, Sara-Ruth Schumann und Ro Hamacher. Vier Frauen, die beruflich, kulturell, politisch und in der Wissenschaft so aktiv waren, dass die Männer aufhorchten, was sie zu sagen hatten. Diese Frauen interessierten sich mehr für Politik als für die drei Ks: Kinder, Küche, Kirche. Sie diskutierten über gesellschaftliche Teilhabe, finanzielle Unabhängigkeit, Sichtbarkeit von Randgruppen und Gleichstellung. Sie, die erfolgreich waren, sagten der systematischen Benachteiligung von Frauen den Kampf an, ohne selbst in die Opferrolle zu verfallen.
Die Freundinnen haben einfach nach ihren Überzeugungen gehandelt und „ihr Ding“ gemacht. Sie verstanden sich nicht als feministische Vorreiterinnen, sie versuchten etwas zum Vorteil der Frauen zu verändern. Das verband sie als sie sich Ende der 70er kennenlernten, Mitte der 90er Jahre konnten sie Erfolge feiern: Barbara war eine international anerkannte Soziologie-Professorin auf dem neuen Gebiet der Gerontologie, Waldtraut führte eine Generalversicherungsagentur und wurde erste Bürgermeisterin der CDU einer niedersächsischen Universitätsstadt, Sara-Ruth war Vorstandsmitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden und berief die erste Rabbinerin Deutschlands an die von ihr mitgegründete jüdische Gemeinde. Ro, Konferenzdolmetscherin im Europaparlament und bei DAX Unternehmen, ist die vierte im Bunde und erinnert sich heute, was die Freundschaft damals ausgemacht hat. Wer waren diese Frauen, wie schafften sie es, in Männerdomänen sichtbar und respektiert zu werden?
Es sind universelle und generationsübergreifende Erzählungen, die nebenbei noch um kommunalpolitischen Streit und menschliche Bindungen kreisen.
Unterschiedlichste Foto- und Filmdokumente machen es möglich, die diverse Bildästhetik der verschiedenen Jahrzehnte (50er und 70er bis 90er Jahre) in die Erzählung einzubinden und so Geschichten über Frauen aus der bürgerlichen Mitte der BRD sichtbar werden zu lassen.
Als Tochter von Waldtraut, habe ich die Freundinnen kennenlernen können und hatte deshalb einen persönlichen Einblick in eine Zeit, in der selbstbestimmte bürgerliche Frauen, ohne verbissen zu werden, unterschiedliche Wege gegangen sind, um sich aus vorherrschenden Geschlechterrollen zu lösen. Ein Zitat nach der Probevorführung für Freunde und Team: „Endlich ein Film über Frauen, die öffentlich als „Hausfrauen“ wahrgenommen wird. Der Film zeigt, was vier dieser Frauen alles geleistet haben, (…) das erweitert das Bild auf die Aufbaujahre der BRD. Du zeigst Macherinnen. Macherinnen, die das verwirklichen, was ihnen wichtig ist. (…) Du hast eine originelle Bildsprache gefunden und toll für den Film, was Du an Filmmaterial zusammengetragen hast.
Auf Instagram @dontkissme_film werde ich kundtun, wann der Film, wo zu sehen ist, nachdem er seine Weltpremiere im Herbst gefeiert haben wird. Ich hoffe auf ein großes Publikum und viel Gesprächsstoff. Dagmar Scheibert– Regisseurin und Produzentin